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Angi Domdey singt Gospel & Spirituals ![]() GOSPEL SINGEN
Als ich anfing, intensiv Gospel zu singen, nicht nur so nebenbei wie früher in meinen Jazzprogrammen, hatte ich eine schwere Krise zu durchlaufen. Nun war ich schon so viele Jahre Sängerin und hatte selbst eine ziemlich gute Meinung über mein Können (durchaus zu Recht), ich hatte ja schließlich auch immer gewissenhaft an mir gearbeitet.
Aber hier gab es einen Punkt, den ich nicht verstand, und eine Hürde, die ich nicht überspringen konnte, weil ich keine Ahnung hatte, um welche Sportart es sich eigentlich handelte. Mein Gesang hörte sich zu hart an, powervoll, aber fast störend kräftig, irgendwie fehlte Raum in meinem Gesang. Heute, wo ich es besser weiß, würde ich sagen, es fehlte an Geist. Ich erinnere mich eigentlich nicht ganz genau, wie die Umwandlung passierte. Mein französischer Pianist Stephane Ferraud erlebte etwas Ähnliches. Wir konnten beide ganz gut lospowern, aber als wir uns selbst auf Band hörten, guckten wir uns ratlos und etwas frustriert an. Der falsche Gedanke lag vielleicht darin, dass wir glaubten, weil wir "nur" zu zweit im Duo spielten, mit Power den Rest der Band ersetzen zu müssen. Leider klang das Ganze zu gewollt. Man spürte das" Bemühen ", die Konstruktion, manchmal laute Eitelkeit. Es dauerte ein paar Wochen, bis wir dahinter kamen, dass wir zu viel " machten ". Es war nicht einfach, in den Prozess des " Kommenlassens " zu geraten. Vorher flossen noch einige Tränen. Auf den Punkt gebracht in Bezug auf Gospel, würde ich sagen, wir haben den heiligen Geist nicht abgewartet, nicht kommen lassen. Für meinen Pianisten, der nicht ganz so spirituell eingestellt ist wie ich, könnte man vielleicht auch sagen, wir haben uns nicht genügend für Inspiration geöffnet. Es ist dann beim Spielen eher so, dass man nicht aus einem Gedanken heraus " so spiele ich gleich, singe ich gleich " agiert, sondern eher, dass man zuhört und aufmerksam ist, was an Melodie, Zartheit oder Power gleich eintreten möchte in den Raum unserer Aktivität. Als ich in Berlin anfing, ganz gezielt Gospel zu singen, fiel mir beim Zusammenstellen einer Kassette für einen Berliner Pianisten, mit dem ich ein Gospel-Programm aufstellen wollte, ganz deutlich der Unterschied bei den Aufnahmen " ins Ohr ". Die Aufnahmen " vor " der Erkenntnis des "Kommenlassens " und die Aufnahmen mit und nach dieser Erkenntnis waren deutlich zu unterscheiden. Der Raum, in dem wir " danach " spielten, schien ein völlig anderer zu sein. Ein anderes Land, eine andere Welt. Man fühlte Weite bis ins Universum und ahnte Bereiche, die uns Menschen (noch) nicht bekannt sind. So weit kann das gehen. Das mag für manche etwas zu mystisch klingen. Aber faktisch gesehen lag hier eine Qualitätsgrenze. Eine sehr reale, würde ich sagen. Ich erinnere mich, dass ich in der Zeit des Suchens um innere Hilfe bat; ich befand mich in einem Zustand der totalen Offenheit, Aufmerksamkeit und des Zuhörens. Das wirkte sich auch auf andere Bereiche meines Lebens aus. Und das wiederum kam zurück in die Musik. Viele Künstler kennen diese Erfahrung, und so mancher hat davon erzählt, wie wichtig die Qualität des eigenen persönlichen Lebens und Suchens sich auf seine Kunst auswirkt. In gewisser Weise hing meine gesangliche Entwicklung auch mit der Lebensphase zusammen, in der ich mich in dieser Zeit befand. Ich hatte nach 15 Jahren Ehe eine abrupte, plötzliche Trennung zu verkraften, die mein bisheriges Leben komplett aus der Bahn warf (Wohnsitzveränderung, beruflicher Neuanfang, Geldprobleme usw.) Ich befand mich gezwungenermaßen in einer großen Umwandlungsphase, die länger anhalten sollte. Das wunderbare an dieser schweren Zeit war, dass sie mich sehr bald in meinen Beruf als Sängerin - Künstlerin zurückführen sollte. Aber diese Entwicklung hatte schon früher begonnen, unmerklich. Ich hatte einige Jahre wenig gesungen und immer darunter gelitten. Aus der Sängerin war eine Herbergsmutter in einem Ferienseminarhaus in der französischen Provence geworden. Aus verschiedenen Gründen war für die Sängerin keine öffentliche Bühne möglich; ich sang nur für meine Gäste. Und für meine Schüler in Sommer- Gesangs- Workshops.. Als ich in meine neue Gesangsphase eintrat, hatte sich dennoch mein Gesang verändert. Meine seelische Entwicklung in den Nicht- Gesangs -Jahren wollte sich nun auch im Gesang ausdrücken. So kam die Krise zustande: das alte Modell des Kraft - Singens passte nicht mehr zu der feiner empfindenden Seele. In gewisser Weise hat sich meine Stimme wie ich selbst weiterentwickelt, ohne dass ich viel geprobt hätte. Und es kam der spirituelle Aspekt hinzu: Durch das Loslassen und die Hingabe kam zu meinem authentischen Selbstausdruck eine andere Größe hinzu, die eher nichts mit mir zu tun hatte. Ich hörte meinem Gesang plötzlich wie den einer Fremden. Etwas sang mich, etwas war dazugekommen. Ich lernte etwas kennen, was nicht nur ich bin. Ich las in meinem Gesang wie in einem Buch, das ich nicht kannte, und ich spürte, dass es das Geschenk einer Geisteskraft war, die dort mitschwang. Sie machte mich zu einer Sängerin einer anderen Klasse. Und ich fing an, meine eigenen spirituellen Lieder zu schreiben. Natürlich haben die Menschen ein Recht darauf, ihre Liebe zu Gott in Lob- Gesängen auszudrücken. Ich dachte aber, dass den göttlichen kreativen Geist die Lob-Gesänge auf ihn (und nichts mehr als das wie in vielen klassischen Gospels) auf Dauer etwas langweilen könnten. Deshalb handeln meine spirituellen Lieder von Menschen in der Realität, ihrer Suche, ihrem Wachstum und ihrer Kreativität, die sie mit dem großen Schöpfer verbindet.
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